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Kuba

    Bienvenidos a Cuba

    Kuba hat uns vom ersten Moment an umgehauen und dies nicht nur aufgrund der karibischen Temperaturen. Diese aussergewöhnliche Insel mit ihrem einzigartigen Flair war der perfekte Einstieg in unser Abenteuer. Bereits am Flughafen empfing uns der kubanische Lebensstil. Beim Geldwechseln und am Taxistand bekamen wir ein gutes Gefühl dafür, dass in Kuba alles etwas länger dauert. Wie das Taxisystem funktioniert haben wir bis heute nicht kapiert, auch wenn man mit viel Geduld (meist) bekommt, was man will.

    In Havanna wurden wir freundlich und mit vielen Informationen auf Spanisch im casa particular empfangen. Beim Spaziergang durch Havanna konnten wir viel entdecken: Korrupte Polizisten standen im parque central neben Jugendlichen in Schuluniform, amerikanische Oldtimer aus der Mitte des letzten Jahrhunderts fuhren neben chinesischen Importautos auf Strassen, die mit Schlaglöchern übersät waren und natürlich Propaganda in Form eines Revolutionsmuseums und des Kapitols.

    Dank einer ausgewanderten Kollegin aus der Schweiz war es uns möglich, Kuba und sein Volk fernab vom üblichen Tourismusprogramm kennenzulernen. Wir besuchten einen einheimischen Markt. Auch dort zeigte sich der Sozialismus: Auswahl an Kleidern oder Haushaltsgeräten gibt es eigentlich nicht, jeder hat genau den gleichen Besen mit schlechter Qualität. Wir fuhren in Taxis zusammen mit Kubanern und lernten Kubaner in ihren Wohnungen kennen. Wir lernten Spanisch und führten interessante Diskussionen über Kubas Situation. Ein Kaffee mit Rum am Morgen und Bier zum Mittagessen gehörte da natürlich dazu.

    Wir merkten, dass sich Kuba langsam öffnet, Kubaner dürfen nun sogar einen Besitz in Form einer Wohnung haben. Doch der Sozialismus begegnete uns an allen Ecken dieses Landes, wobei die Leute davon genug haben – Fidel hin oder her, die Revolution ist lange her und die Leute wollen raus aus diesem Land – Kapitalismus lässt grüssen.

     

    Wir Ausländer schienen alles immer zu hektisch zu machen. Ein freundliches “tranquilo hermano“ (bleib ruhig Bruder) begleitete uns durch die Tage auf dieser Insel. Auch am Flughafen bei der Automiete durften wir uns tranquilomässig gedulden. Es kann hier wirklich schon mal ein wenig länger dauern. Mit dem gemieteten Gefährt fuhren wir Richtung Westen nach Pinar del Rio. Von dort aus machten wir einen Ausflug ins Viñales Tal.

    Dieses ist berühmt für seine “Elefantenrücken“ – Hügel, die aus dem flachen Tal ragen. Viñales ist ein wunderschönes grünes Tal, jedoch auch sehr touristisch.

    Autofahren kann in diesem Land zu einer Herausforderung werden, jedoch nicht aufgrund der schlechten Strassenverhältnisse. Kubaner sind von Natur aus sehr nette und gesellige Menschen, hinzu kommt, dass sie oft nicht sehr viel zu tun haben. Da man im weissen Mietauto sofort als Ausländer auffällt, möchte am Strassenrand jeder helfen, etwas vermitteln und dafür Geld kassieren (auch wenn dafür ab und zu wilde Geschichten erfunden werden müssen), oder einfach mal alles besser wissen. Deshalb haben wir wildes Handgefuchtel und Rufe am Strassenrand in Viñales dann auch nicht mehr ernst genommen. Erst als ein Auto uns wild hinterher raste und ein Mann ausstieg, hielten wir an. Der Typ am Flughafen hatte vergessen, die Versicherung von uns zu kassieren, dies mussten wir hier nachholen. Auch wenn in Kuba nicht viel funktioniert, Cubacar findet einen überall! 🙂

    Unser nächstes Ziel war Las Terrazas, ein Ökodorf inmitten des kubanischen Regenwaldes. Auf dem Weg dorthin besuchten wir eine Tabakplantage, wo uns erklärt wurde, wie die Zigarrenherstellung funktioniert und wir eine der berühmten Zigarren probieren durften. In Las Terrazas wohnten wir wunderschön, weit abgelegen vom lauten Stadtlärm in einem cabaña, einem kleinen Bungalow auf Stelzen.

    Hier genossen wir in Ruhe die Landschaft, gingen wandern und badeten im Fluss. Auch hier können kleine Dinge zu Tagesaufgaben werden. Am Morgen kurz Geldwechseln (in Kuba funktioniert Geldbezug mit Kreditkarte natürlich nicht) und was Essbares für die Wanderung zu finden, kann bereits viel Zeit in Anspruch nehmen.

    Auch der Abstecher nach Soroa, ein noch kleineres Dorf weiter im Landesinnern hat sich gelohnt. Ein Orchideengarten gab einen ersten Eindruck für die bunte Pflanzenwelt, welche uns in Zentralamerika erwarten wird. Eine erfrischende Abkühlung gab es anschliessend bei einem 26m hohen Wasserfall, bevor es definitiv zurück nach Havanna ging. Dort stand uns die grösste Herausforderung bevor: Mitten ins Zentrum zur Autorückgabe. Dies schafften wir nur mit etliche Fragerei nach dem Weg, da keine der drei verschiedene Strassenkarten eine brauchbare Auskunft gab und Strassenschilder in Kuba Mangelware sind. Auch diese Herausforderung haben wir gemeistert und genossen einen letzten Abend des pulsierenden Stadtlebens. Auch ein letztes Nachtessen gab es und wir liessen die ersten Tage Revue passieren.

    Kuba ist einzigartig und wir können uns eine grosse Scheibe vom hiesigen Lebensstil abschneiden. Kuba hat viele Vorzüge und hat viel zu bieten, wenn man sich darauf einlässt. Die Kulinarik ist trotz allem kein Grund, Kuba zu besuchen, auch wenn die Früchte hier fantastisch schmecken und wir in den casas particulares mit viel Liebe bekocht wurden. Kubaner haben nicht viel Auswahl an Lebensmittel, Supermärkte gibt es grundsätzlich nicht. Bereits Kartoffeln können in diesem Land zum Luxusartikel werden. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass die Küche oft eintönig und etwas fade schmeckt.

    Kuba hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen, die heissen Salsa Rhythmen werden uns weiterhin begleiten und wir werden versuchen die nächsten Monate mit ein bisschen “tranquilo“ anzugehen.

    5. März 2017 5.733 comments